Unsere Waldkapelle am Hoppenberg in Bad Driburg

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Wer vom jetzigen Kolping-Jugendwohnheim St. Klemens, Nordfeldmark 4, am Nordrand von Bad Driburg ein kurzes Viertelstündchen durch den schattigen Weg am Waldrand ortseinwärts wandert, findet bald unter hochstämmigen Tannen unsere Marienkapelle. Es war und ist heute noch immer der Lieblingsplatz der Klementiner und ein viel aufgesuchtes Wanderziel von Bad Driburger Bürgern oder Kurgästen des Heilbades.

  • Schon im Jahr 1932 wurde an dieser Stelle nach Entwurf zweier im Clementinum angestellter Schreinergesellen aus Dortmund-Derne eine kleine Holzkapelle zu Ehren der Gottesmutter (8-10 qm) errichtet. Es kann gut sein, dass der spätere Märtyrer Eduard Müller (Seligsprechung am 25.06.2011), selbst Schreiner von Beruf, hierbei mitwirkte, da er als Klementiner stets Zuverdienstmöglichkeiten annehmen musste, um sein Schulgeld aufbringen zu können.

Waldkapelle von 1932

  • Der Kölner Bildhauer Paul Rautzenberg schuf 1934 für die Kapelle eine schöne Schutzmantelmadonna, die auf ihrem Schoß aufrecht stehend das Jesuskind trägt und ihren Mantel über zwei Schüler breitet, von denen der eine andächtig die Hände faltet, während der andere studiert - "ora et labora" steht auf dem Schemel zu Füßen Mariens. "Unsere liebe Frau von St. Klemens - Schutzpatronin der Jugend" steht auf dem Steinsockel darunter. Auch Eduard Müller wird dieses Bild gekannt und wie alle Klementiner hier Zuflucht im Gebet gefunden und eine Kerze angezündet haben, insbesondere vor Klassenarbeiten...

Schutzmantelmadonna von Paul Rautzenberg 1934

  • Während der schweren Kriegsjahre fern der Heimat war die Schutzmantelmadonna für viele Klementiner eine trostreiche Erinnerung, wie wir aus Feldpostbriefen wissen: "... sollten wir einmal aus diesem Kriege herauskommen, treffen wir uns bei der Mutter im Driburger Tal!" Doch leider kehrten ca. 200 Klementiner aus dem Krieg nicht mehr zurück.
  • Wind und Wetter hatten der Holzkapelle im Laufe der Jahre arg zugesetzt. Deshalb stiftete der Konrektor des Studienheims, selbst Absolvent der Schule, Johannes Kley (gebürtig aus Ahrweiler) - er liegt auf dem kleinen Friedhof neben der Kapelle begraben - im Jahr 1952 den schmucken, kleinen Bruchsteinbau, den wir noch heute vorfinden. Er wurde errichtet nach Entwurf der Architektenbrüder Hermann und Edgar van de Sandt aus Kleve. Kley war durch einen Gewinn im Fußball-Toto unerwartet in den Besitz von 68.000 DM gelangt, die er zur Verfügung stellte. Daher heißt die Kapelle im Volksmund auch "Santa Maria del Toto" oder "Lotto-Kapelle". In der Apsis der Kapelle ist ein Glasrohr mit Erde aus dem Marienwallfahrtsort Lourdes vermauert. Die Schutzmantelmadonna der alten Holzkapelle steht seither auf einem richtigen Altar. Unsere Liebe Frau von St. Klemens lautet die Inschrift auf ihrem Steinsockel. Die Klementiner gestalteten damals die Umgebung der Kapelle, die sich aus heimischen Muschelkalk und eingedeckt mit Buntsandsteinplatten aus dem Solling harmonisch in die Landschaft einschmiegt, zu einer schönen Anlage. Waldkapelle am Hoppenberg in Bad Driburg  
  • Damit ging zugleich ein Versprechen in Erfüllung, das der Gründer und Rektor des Clementinums, Prälat Bernhard Zimmermann, zwölf Jahre zuvor, am 1. April 1941, gegeben hatte, als das Studienheim von den Nationalsozialisten enteignet und geschlossen worden war. Die im Grundstein vermauerte Urkunde berichtet davon:

"An dieser Stelle erbauten wir im Jahre 1932 eine Holzkapelle zu Ehren der Gottesmutter. Als im Jahre 1941 das Studienheim St. Klemens zwangsweise enteignet wurde, versprach ich im Falle der Rückkehr, an dieser Stelle eine Steinkapelle zu bauen...Hier beteten wir, als wir im ersten Kriegsjahr zur Front mußten.Hier wurde gebetet, als das Heim gewaltsam seiner Bestimmung entzogen wurde.Hier beteten die ersten Heimkehrer, die das Werk des Wiederaufbaues in ihre Hände nahmen.Hier wurde gebetet, als in den Nachkriegsjahren so mancherlei Not die Kraft des Wiederaufbaues zu lähmen drohte.Nun also ist eine neue, eine schönere Kapelle erstanden.Es ist eine tröstliche Gewißheit, daß so das Lob Mariens an dieser Stelle nicht abreißen wird und daß aus den stillen Gebeten vor dem Bild unserer Lieben Frau sicher reiche Gnaden hinab ins Tal und zu den hoffenden Menschen getragen werden."

  • Um den zahlreichen Kriegstoten ein ehrendes Andenken zu bewahren, wurden 1968 rechts neben der Kapelle drei Steinskulpturen aufgestellt: Auferstandener Christus (Mitte, 2,50 m), Judaskuss (links, 0,5 m), kreuztragender Christus (rechts, 0,5 m). Sie stammen aus der Werkstatt des Bildhauers Heinrich Lückenkötter aus Oelde, dem Bruder des damaligen zweiten Rektors und ehemaligen Schülers von St. Klemens, August Lückenkötter.
  • Auferstandener v. Heinrich Lückenkötter 1968 Die zweite Kapelle hat im Laufe der Jahre viel erlebt. So war sie nicht immer Ort der Ruhe und des Gebetes, sondern wurde manchmal auch ein Opfer des Vandalismus. Umso mehr gilt es diesen Ort zu schützen und zu pflegen, damit dort auch künftig viele Menschen Einkehr finden können und Hilfe und Rat im Gebet.
  • Im Jahr 2007 wurde für die Madonnenfigur der Kapelle ein Schutzgehäuse angefertigt. Im Jahr 2012 - pünktlich zum 90. Gründungsjubiläum von St. Klemens - konnte die Figur fachgerecht restauriert werden. Die ursprüngliche Farbfassung, die aufgrund von Beschädigungen verloren gegangen war, wurde dabei wieder hergestellt.
  • Die Klementiner, Altklementiner und Freunde von St. Klemens treffen sich jeweils am Freitag nach Allerseelen um 15.00 Uhr zu Gebet, Totengedenken und Gräbersegnung an der Kapelle.

Relief "Erzengel Michael tötet den Drachen" über dem Portal der Marienkapelle